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Gunnar Zötl, 13.09.1994

Doch drinnen, im Dunkeln...

Seit 17 Jahren arbeitete er hier, und er machte seinen Job gut. Zumindest dachte er das. Es kursierten Gerüchte, dass die Firma einige Leute würde entlassen müssen, sich gesundschrumpfen, wie die Vorstandsheinis das nannten, und keiner seiner Kollegen hatte es sich nehmen lassen, ihm zu sagen, dass es ihn mit Sicherheit auch erwischen würde. Niemand hier mochte ihn besonders, aber das beruhte in fast allen Fällen auf Gegenseitigkeit.

Und trotzdem mochte er seinen Job, mochte den Geruch der Papierstapel auf seinem Schreibtisch, das laute Klappern seiner alten Rechenmaschine, und das kratzende Geräusch, das sein Bleistift machte, wenn er damit Spalte um Spalte der Formulare ausfüllte. Er mochte diese Computer nicht, die in letzter Zeit angeschafft worden waren. Diese Dinger stanken und brummten den ganzen langen Tag vor sich hin. Rationalisierung nannten sie das, aber er verstand nicht, wozu diese Dinger angeschafft worden waren. Letztlich ging es doch auch so, war all die Jahre vorher so gegangen, und vor allem die immensen Kosten dieser Rationalisierung waren dafür verantwortlich, dass die Firma schrumpfen musste.

Er hatte in seinem Leben in dieser Firma Unmengen von Zahlen in Unmengen von Feldern geschrieben, und er mochte diese Zahlen. Sie gaben ihm ein Gefühl der Sicherheit. Mit Zahlen konnte man machen, was man wollte, und man konnte schon vorher sagen, was dabei herauskam. Er hatte nie geheiratet, denn Frauen besaßen nicht diese angenehme Eigenschaft seiner Zahlen. Sie widersprachen einem, taten, was sie wollten, gaben das Geld, das man mit mühsamer Arbeit verdiente, für nutzlose Dinge aus und schließlich ließen sie sich von einem scheiden, und bekamen von den Richtern dann noch soviel vom Einkommen zugesprochen, dass einem selbst kaum genug zum leben blieb. Er mochte auch keine Kinder, Tiere, oder was sich sonst unlogisch verhielt. Er war mit seinen Zahlen verheiratet, und die Ehe war glücklich.

Wenn er abends nach Hause kam, machte er sich sein Abendessen, setzte sich dann in seinen Lieblingssessel, und schaute sich die Welt im Fernseher an. Er verspürte keinerlei Bedürftnis, sich all das, was er dort sah, einmal in Wirklichkeit anzusehen, er war zufrieden so wie es war. Zumindest, bis diese Gerüchte von den bevorstehenden Kündigungen aufkamen.

Vor 2 Tagen hatte er beim Rasieren in seinem Gesicht ein außerordentlich langes Haar entdeckt, welches auf seiner linken Wange gesprossen war. Außerdem waren ihm seine Augenbrauen ein wenig dichter und dunkler als sonst erschienen. Er hatte das Haar einfach abrasiert, und war, wie gewöhnlich, zur Arbeit gegangen. Der Tag verlief ganz normal, er saß zwischen seinen Zahlen und rechnete und schrieb, bis auf eine Kleinigkeit. Als er zum Mittagessen in die Kantine gegangen war, war einer dieser jungen, aufstrebenden Stutzer aus dem Büro neben seinem auf ihn zugekommen, hatte ihn mit seinen Stutzerlächeln angelächelt, und dann gesagt, er solle schnell essen, schließlich befände er sich, was seinen Job anginge, im Endspurt. Plötzlich hatte sich sein Magen zu einem kleinen, harten Klumpen zusammengeballt, seine Ohren waren heiß geworden, und ihm war ein Bild durch den Kopf geschossen, das ihn unter anderen Umständen erschreckt hätte. Er hatte so etwas noch nie zuvor erlebt, und daher hatte es einen Augenblick gedauert, bis er dieses Gefühl identifiziert hatte. Es war Wut.

Er war noch nie wegen irgendetwas wütend gewesen, hatte immer alle Sticheleien seiner Kollegen ignoriert, sich nie aus der Ruhe bringen lassen, denn er wusste ja über die Schwächen und Unzulänglichkeiten der Menschen Bescheid, darum gab es keinen Grund, sich darüber aufzuregen.

Das Gefühl hatte nur einen Augenblick angehalten, dann hatte er dem immer noch lächelnden Stutzer den Rücken zugekehrt, und war zurück zu seinen Zahlen gegangen.

In dieser Nacht hatte er nicht sehr ruhig geschlafen, und als er am Morgen aufgewacht war, hatte er zunächst festgestellt, dass er eine Erektion hatte, die erste seit sehr langer Zeit. Außerdem hatten sich die Fingernägel des Zeige- und des Ringfingers seiner rechten Hand in lange, spitze, gefährlich aussehende Krallen verwandelt. Das Haar auf seiner Wange reichte ihm wieder bis fast zur Schulter, und auf seiner Brust und seinem Bauch war ein noch etwas ungleichmäßiger, struppiger Pelz gewachsen, und seine Augenbrauen hatten einander fast berührt. Er hatte das Haar in seinem Gesicht wieder abrasiert, und da sein Nagelschneider die Krallen nicht einmal ankratzen konnte, hatte er, bevor er zur Abeit ging, einen Handschuh über seine rechte Hand gezogen, der aber wegen der langen Krallen sehr locker saß. Das Haar auf seinem Bauch und der Brust hatte er am Abend schneiden wollen, da die Zeit langsam knapp wurde. Schließlich war er noch nie zu spät gekommen. Also ging er ohne Frühstück zur Arbeit.

An diesem Tag hatte er sich nicht so recht auf seine geliebten Zahlen konzentrieren können. Immer wieder waren seine Gedanken weggeglitten, und wenn er wieder aus den Gefilden seiner Tagträume zurückgekommen war, hatte er sich an nichts erinnern können. Mehrere Male an diesem Tag war Jemand in sein Büro gekommen, und hatte einige der Formulare mitgenommen, die er auf seinem Erledigt-Stapel abgelegt hatte, oder ihm neue gebracht, aber er nahm das alles kaum wahr. Seine Arbeit tat er fast automatisch, ohne rechte Konzentration, und er wusste nicht genau, ob das, was er auf den Bögen eintrug, auch wirklich korrekt war. Der ganze Tag schien der Traum zu sein, und seine Tagträume, auch wenn er sich nicht an sie erinnern konnte, erschienen ihm wie kurze Ausflüge in die wirkliche Welt. Lediglich einmal, als eine junge Frau mit langen, roten Haaren in sein Büro gekommen war, schien ein Hauch der Wirklichkeit in den Traum zu dringen, der ihn in diesem Büro festhielt.

Sie kam, wie die Anderen vor ihr, um ihm ein paar neue Formulare zum bearbeiten zu bringen, und als er aufschaute, um ihr zu sagen, dass die neuen Formulare in den Korb zu seiner Linken gehörten, schien ihm, als würde er sie in einer extremen Nahaufnahme sehen. Obwohl sie noch fast drei Meter von ihm entfernt war, konnte er jede kleine Unebenheit in ihrem Gesicht erkennen, jedes winzige Fältchen, sogar die kleinen Adern, die dicht unter ihrer Gesichtshaut lagen, und die man normalerweise durch die Haut überhaupt nicht sah. Mehr noch, als er Luft holte, um ihr das mit dem Korb zu sagen, konnte er unter ihrem Parfum noch weitere Gerüche wahrnehmen, den Geruch ihrer Kleidung, einen Hauch von Schweiß, und noch einen Geruch, der zuerst leicht, dann kräftiger und schließlich überdeutlich wahrnehmbar war, ein voller, schwerer, metallischer Geruch, der ihn berauschte und seine Sinne benebelte. Sein Magen ballte sich wieder zusammen, und ihm wurde übel. Er schloss die Augen und hielt sich mit beiden Händen an der Kante seines Schreibtisches fest. Vor seinen Augen tanzten rote Punkte, und in seinen Ohren hörte er das Rauschen seines Blutes so deutlich wie das Rauschen eines Wasserfalls, der sich in seinen Kopf ergoss, und einen Augenblick sah er diesen Wasserfall, rotes Wasser, dass sich aus dem Himmel ergoss und die Welt füllte. Als er einen Augenblick später die Augen wieder öffnete, war sie fort. Es lag noch ein wenig vom Duft ihres Parfums in der Luft, aber der Geruch, der ihn fast ohnmächtig hatte werden lassen, war mit ihr verschwunden. Die Formulare, die sie gebracht hatte, lagen vor ihm auf dem Schreibtisch.

Als er am Abend in sein Bad gegangen war, um sich der Haare auf seiner Brust anzunehmen, sah er im Spiegel, dass dieser bereits am Hals hochgewachsen war und ausgedehnte Teile der linken Wange bedeckte. Während er versucht hatte, seiner neugewonnenen Körperbehaarung mit einer Schere beizukommen, begann er sich zu fragen, wieso das Niemandem aufgefallen war. Das musste schon den halben Tag dort gewesen sein, aber offensichtlich hatte es niemand bemerkt.

Das Schneiden des Pelzes hatte länger gedauert, als er angenommen hatte, und als er fertig gewesen war, war er ins Bett gegangen, ohne noch ein Abendessen zu sich zu nehmen.

Heute morgen war er wieder mit einer Erektion aufgewacht, und mit einem seltsam metallischen Geschmack auf der Zunge, den er nicht hatte zuordnen können. Außerdem war sein Pelz wieder gewachsen, bedeckte mittlerweile sein linkes Bein bis zum Knie, einen Teil vom Rücken, seine Genitalien, seinen Bauch, die Brust, den linken Arm und die linke Gesichtshälfte. Die restlichen Fingernägel seiner rechten Hand hatten sich auch in Krallen verwandelt, und seine Finger waren seltsam deformiert, fast wie Klauen. Seine Füße fühlten sich merkwürdig an, seltsamerweise war es für ihn leichter, nur auf den Ballen zu gehen, als wie bisher mit dem ganzen Fuß. Er musste sich anstrengen, um seine Fersen auf den Boden zu bekommen. Auch sein Körper schien sich leicht verändert zu haben, die Gelenke schienen leicht geschwollen, die Muskeln verhärtet und verformt. Und trotzdem tat es nicht weh, wie er erstaunt zur Kenntnis nahm.

Er hatte beschlossen, alle sichtbaren Hautpartien zu rasieren, und seine rechte Hand unter einer Bandage zu verstecken, da die Deformation und die langen Krallen es schwierig, wenn nicht gar unmöglich machten, einen Handschuh über diese Hand zu ziehen. Seine Schuhe ließen sich nur äusserst widerwillig über seine Füße ziehen, und er musste die Schnürsenkel sehr fest binden, damit sie ihm nicht wieder von den Fersen rutschten. Wieder ging er ohne Frühstück zur Arbeit.

Es lag in der Luft. Immer noch schien Niemand seine Veränderung zu bemerken, und er hielt dies vor allem seiner Bemühung, diese zu verstecken, zugute. Trotzdem schauten ihn alle an, als er an ihnen vorbei zu seinem Büro ging, einige mit einem zufriedenen Grinsen, andere mit einem mitleidigen Blick, und noch bevor er sich an seinen Schreibtisch setzte, wusste er Bescheid. Es hatte ihn getroffen.

In dem Korb zu seiner Linken lagen noch zwei unbearbeitete Formulare, der zu seiner Rechten war leer. Er schaltete die Rechenmaschine an, griff nach dem Bleistift, nahm das oberste Bündel Blätter aus dem linken Korb und legte es vor sich hin. Der Stift lag seltsam in seiner deformierten und bandagierten Hand, und seine Schuhe drückten an den Füßen. Dort, wo er sich rasiert hatte, juckte seine Haut, und als er sich mit der linken übers Kinn strich, bemerkte er, dass sowohl an der Hand als auch am Kinn die Haare wieder um fast einen Zentimeter gewachsen waren. Er hob die linke Hand vor die Augen und sah, dass auch diese jetzt leicht deformiert war. Die Gelenke waren bereits etwas geschwollen, und die Fingernägel hatten sich dunkel verfärbt und waren dicker und auch ein wenig länger geworden. Er löste die Binden von der rechten Hand und sah, dass die Mittelhandknochen und die Finger länger geworden waren, und dass der Handrücken von einem gleichmäßig zottigen Fell bedeckt war, das am Arm soweit nach oben wuchs, wie er den Ärmel hochschieben konnte. Der Unterarm war auch ein wenig länger, während der Oberarm ihm ein wenig verkürzt erschien.

Als er unter seiner Hose die Beine betastete, und dabei feststellte, dass auch die Schwellungen an seinen Knien kräftig zugenommen hatten, kam die rothaarige Frau, welche ihm am Vortag schon aufgefallen war, herein, und bestellte ihm mit einem mitleidigen Blick, dass er zu seinem Abteilungsleiter kommen sollte. Als er seinen Kopf hob, um sie anzusehen, fielen ihm ein paar Haare vor die Augen. Sie schien jedoch nichts ungewöhnliches an ihm zu bemerken. Er nickte ihr zu, und sagte, dass er gleich käme. Dabei kam ihm seine Zunge ungewohnt schwer vor, fast wie ein Fremdkörper in seinem Mund, und die Worte kamen nur schwerfällig von seinen Lippen. Sie versuchte noch ein aufmunterndes Lächeln, und drehte sich dann zum Gehen um, wobei sie seine Tür offen ließ. Als sie draußen war, betastete er seine Stirn, und stellte dabei fest, dass sein Haaransatz soweit nach unten gewandert war, dass er sich mit den Augenbrauen traf.

Die wenigen Meter zum Büro seines Abteilungsleiters waren schwer gewesen. Seine Beine hatten sich in der kurzen Zeit seit seinem Eintreffen am morgen derart verformt, dass er das Laufen damit fast neu erlernen musste. Er hatte seine rechte Hand wieder bandagiert, und als der Abteilungsleiter ihm über den Schreibtisch hinweg die Hand reichte, bot er ihm die Linke und sagte, dass er sich die rechte Hand verstaucht habe, als er die Treppe hinuntergefallen sei. Dann setzte er sich auf den Stuhl, der ihm angeboten worden war, und bemerkte, dass ihm dabei der Schnürsenkel von linken Schuh riss und sein Fuß aus dem Schuh herausrutschte. Als der Abteilungsleiter mit seiner Kündigungsrede anfing, blickte er nach unten und sah, dass sein Fuß mittlerweile länger war als der Schuh, und von dem gleichen Pelz bedeckt wie seine rechte Hand.

Der Abteilungsleiter fragte ihn, wie lange er jetzt schon für die Firma arbeitete, und er antwortete, dass es jetzt siebzehn Jahre waren. Das Hemd spannte über seiner Brust, und er konnte unter seiner Kleidung die Haare spüren, die inzwischen wieder seinen ganzen Körper bedeckten.

Der Abteilungsleiter sagte ihm, dass man zwar sehr zufrieden mit ihm gewesen sei, aber dass der Fortschritt eben Opfer von der Firma fordere, und in dem Augenblick riss das Leder an der Ferse seines rechten Schuhs auf, und auch der Fuß war schon länger als der Schuh.

Man müsse auch auf bewährte Mitarbeiter verzichten, und das täte der Firmenleitung sehr leid, und die Hose riss über seinem Knie auf und ein schwall langer brauner zottiger Haare ergoss sich aus dem Riss über sein Schienbein.

Er bekäme aber eine großzügige Abfindung, und er roch wieder diesen Geruch, schwer, metallisch, leicht süßlich. Sein Magen ballte sich zu einem Klumpen zusammen, und der Wasserfall begann, leise zu rauschen.

Man würde ihm eine sehr gute Beurteilung schreiben, und er sah das Blut in den Adern unter der Haut des Abteilungsleiters pulsieren.

Er solle es sich nicht zu Herzen nehmen, und durch eine unkontrollierte Zuckung seiner linken Hand zerschnitt er mit den zwischenzeitlich gewachsenen Krallen daran den Stoff am Oberschenkel seines linken Beines, und ein weiterer Schwall langer dunkler Haare ergoss sich daraus am Bein hinab und über die Sitzfläche des Stuhles.

Der Abteilungsleiter lächelte ihm auf eine Weise zu, wie es nur jemand ermutigend finden kann, der einem gerade einen Stich mit einem Dolch versetzt hatte, und er zog seine Lippen zurück über zwei Reihen spitzer scharfer Zähne und lächelte zurück. Das Rauschen seines Blutes füllte fast sein gesamtes Hören aus.

Der Abteilungsleiter erhob sich von seinem Stuhl und reichte ihm die Hand, und er erhob sich ebenfalls und nahm die Hand des Abteilungsleiters in die Rechte, seinen Kopf mit einer schnellen Bewegung in die Linke, und schlug ihn zweimal fest auf den Schreibtisch. Dann stieg er auf den Tisch, griff in das Stiftkästchen, nahm einen Bleistift heraus und stieß ihm diesen zwischen die Schulterblätter. Der Abteilungsleiter schrie laut auf, versuchte sich aufzurichten, bekam dafür einen kräftigen Schlag gegen den Hinterkopf und sackte stöhnend wieder auf den Schreibtisch zurück.

Sein Jackett riss am Rücken auf, und er zog es sich mit einer heftigen Bewegung vom Leib. Er griff nach der Schulter seines auf dem Schreibtisch liegenden Opfers, und drehte es um. Der Bleistift bohrte sich tiefer in den Rücken, und der Abteilungsleiter schrie wieder auf. Eine Lache seines Blutes breitete sich auf der Tischplatte zwischen den Papieren und der Schreibunterlage aus.

Als er sich vorbeugte, riss seine Hose im Schritt auf, und seine Genitalien und ein Schwall langer zottiger Haare quollen heraus. Dann bohrten sich seine Zähne in den Hals seines Opfers, welches noch ein letztes Mal einen gurgelnden Schrei ausstieß, bevor ihm der Kehlkopf herausgerissen wurde.

Der Geruch war jetzt überall um ihn herum, füllte seine gesamte Wahrnehmung, füllte seinen Mund und seine Nase, in seinen Ohren rauschte sein eigenes Blut und gab mit seinem Herzschlag den Rhytmus vor, nach dem er sich bewegte, während er sich an dem seines Opfers weidete.

Als sie die Tür öffneten, sahen sie zunächst den Buchhalter, der mit blutverschmiertem Gesicht und Anzug auf dem Schreibtisch hockte. Dann sahen sie den Abteilungsleiter auf dem Schreibtisch liegen, das Hemd zerrissen und die darunterliegende Haut mit tiefen Bisswunden bedeckt, die von dem Blut, dass aus ihnen floss, wieder geglättet wurden. Der Buchhalter beugte sich wieder vor, und biss dem Abteilungsleiter in den Bauch, und die Rothaarige stolperte mit einem Schrei rückwärts aus der Tür, ging noch zwei Schritte und fiel dann in Ohnmacht. Die Anderen schauten erstarrt zu, wie der Buchhalter langsam zu ihnen aufsah, wie sich sein blutverschmierter Mund zu einem breiten Grinsen verzog, wie er sich langsam umdrehte und dann mit einem kräftigen Satz durch das geschlossene Fenster hinaus in die graue Luft eines herbstlichen Vormittages sprang.

Der Knall des zerspringenden Glases hatte ihn ein wenig erschreckt, aber die frische Luft war herrlich. Sein Fell flatterte im Wind, und die Straße war nur ein schmales Band weit unter ihm. Er lachte glücklich. Um ihn herum glitzerten die Glassplitter in der milden Luft. Das nasse Blut auf seinen Wangen und auf seiner Brust war im Wind seines Fluges angenehm kühl. Er konnte kurze Blicke durch die Fenster erhaschen, an denen er vorbeifiel. Er hatte seine Zahlen verloren, aber er hatte etwas viel Größeres dafür erhalten, etwas, das ihm seine Zahlen niemals hätten geben können. Der Asphalt kam schnell näher, und das Heulen des Windes in seinen Ohren vermischte sich mit seinem Lachen zu einem Aufschrei des Triumphes. Jetzt war er frei.

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